Forum kanzelgruss.de



21.09.2008, 15:10
webmaster Abwesend
Administrator
Dabei seit: 19.09.2008
Wohnort: Oberhausen


Betreff: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
Als im Jahre 2004 Tiki Küstenmacher in einem viel beachteten Artikel in der PC-Professionell das Copy-And-Paste-Verfahren bei der Predigtvorbereitung aufs Korn nahm - und dabei auch kanzelgruss.de nicht aussparte -, konnte er nicht ahnen, dass ein paar Jahre später Peter Schaal-Ahlers sich ebenfalls dieses Themas annehmen würde - und zu einer völlig anderen Einsicht gelangte. "Alles nur geklaut - Plagiate auf der Kanzel" ist sein Essay betitelt und seit dem es im Deutschen Pfarrerblatt abgedruckt wurde, haben sich die unterschiedlichsten christlichen Nachrichtenmagazine und Internetforen mit seinen Thesen auseinandergesetzt. Selbstredend ist das auch Lesestoff für alle kanzelgruss.de-Freunde. Schließlich plagt so manche/n das schlechte Gewissen, wenn er oder sie des Samstags Nacht vor dem Bildschirm sitzt und ein paar Zeilen kopiert. Und es stellt sich nicht nur bei dem/der Betreffenden die beißende Frage: "Darf ein Pfarrer (oder eine Pfarrerin, ein/e LektorIn etc. - d. Autor) eine Predigt, die er nichts selbst angefertigt hat, im Gottesdienst vortragen?" Schaal-Ahlers schaut nun nicht nur in die Kirchengeschichte, sondern wagt auch einen Seitenblick in die Welt des Kunst- und Kulturbetriebs, zählt Vor- und Nachteile einer Plagiatpredigt auf und sucht nach Gründen, warum man sich überhaupt bei anderen bedient. Sein Fazit: "Das Nachsprechen fremder, nicht selbst gefertigter Predigten auf der Kanzel ist heute weit verbreitet. Diese Praxis ist theologisch begründbar, juristisch unbedenklich, Kreativität fördernd, für Predigerinnen und Prediger entlastend. Dass Predigten umsonst weitergegeben werden, ist Kennzeichen des anbrechenden Gottesreiches. Weil auf der Kanzel jedoch Zeugenschaft und Authentizität gefragt ist, kann erwartet werden, dass die Maxime des Apostels Paulus: »Prüft aber alles und das Gute behaltet.« (1. Thess. 5,21) beherzigt wird." Zu diesem Thema darf ab sofort ausgibig im neuen Forum kanzelgruss.de diskutiert werden!
Andreas Reinhold
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27.10.2008, 11:39
Peter Frische Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 26.10.2008
Wohnort: -


Betreff: Re: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
1. Im www-Zeitalter wäre es eine Verschwendung von Ressourcen, nicht auf Predigtvorlagen zurückzugreifen.
2. Dass sich der Prediger bei der Auswahl Zeit nimmt (sprich: einige Predigten zum Thema/Bibeltext studiert), ist allerdings m.E. wünschenswert.
3. Wichtig auch, dass der Prediger lebt, was er predigt.
4. Wenn der Prediger die Zeit, die er durch Orientierung an Predigtvorlagen (vielleicht) einspart, anderweitig für die Gemeinde einsetzt, ist allen geholfen.
Mein Fazit:
Ich begrüße es, wenn mein Pfarrer Predigtvorlagen verwendet. Schön/nützlich finde ich es v.a. dann, wenn die Predigtvorlage an die Gemeindesituation vor Ort angepasst wird.

Gruß
PF
 

22.11.2008, 11:50
Peter Laudi Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 21.11.2008
Wohnort: -


Betreff: Re: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
Zunächst: ich empfinde es als Unverschämtheit, dass der pfarramtliche Alltag immer weniger Zeit übrig lässt für die andere Kernaufgabe des Pfarrers neben der Sakramentsverwaltung. Die Wortverkündigung ist schließlich kein lässlicher Wurmfortsatz am gefühlten Ende der Woche! An dieser Stelle "Zeitersparnis" anzuführen, halte ich für arg bedenklich, sie gar zu erwarten, für genauso terroristisch wie eine ubiquitäre Erreichbarkeit durch E-mail und Mobilfunk. Bei Missbrauch neigen neue Medien dazu, mehr Arbeit zu produzieren als sie erleichtern.

Hinsichtlich des Plagiats auf der Kanzel kann ich dagegen Schaal-Ahlers nur zustimmen (und Fulbert Steffensky, von dem er offen geklaut hat): die Zeit romantischer Originalität ist abgelaufen, und die Autorenschaft des Predigers zu betonen, theologisch fragwürdig. Wer predigt, ist ein Dieb. Er klaut sich Ursache, Anlass und die Worte. Das gehört zum Job. Schließlich ist schon die Bibel "Sprache der Toten" - wie alle Sprache überhaupt. Und wer vermag schon anzugeben, welcher Gedanke und welche Formulierung nach Tausenden von Gesprächen, Jahren des Studiums und Metern des Bücherregals der oder die eigene sei?

Beim Sichten meiner Predigten der letzten Jahre ist mir aufgefallen, dass ich trotz intensiver WWW-Nutzung nach wie vor meine Lieblingsthemen, Lieblingsgedanken und Lieblingsphrasen habe. In solcher Ballung ist das Selbstplagiat allemal unerträglicher als das Fremdplagiat! Hatte ich bislang die Predigten meiner Kolleginnen und Kollegen eher als Steinbruch verwendet oder als Beispiel dafür, wie ich's nicht mache, so überlege ich mir, ob ich in Zukunft nicht noch mehr klauen sollte - als Frischzellenkur, sozusagen. Ich möchte jedenfalls nicht so enden wie jener Kollege, der unabhängig vom Proprium stets bei "Atomkraft", "Rüstung" oder "Palästinenser" zu landen verstand.

Also nieder mit dem Zwang zur Originalität! Schluss auch mit dem Ruf nach "Authentizität" (hier irrt Schaal-Ahlers)! Ich trage nicht umsonst einen Talar auf der Kanzel und eben kein Adamskostüm. Und deswegen werde ich auch nicht von mir verlangen, das, was ich predige, auch noch exemplarisch zu leben - wie könnte ich!? Schon kommunikationstheoretisch ist die Predigt immer größer als der Prediger. Erst recht mit dem Wort Gottes im Gepäck und dem Heiligen Geist im Gottesdienst.

Fazit: Es lebe der geistLiche Diebstahl! Und bei der Predigtvorbereitung ist Promiskuität Trumpf! Nur Zeit sollten wir uns dafür schon nehmen.
 

23.01.2009, 21:13
Oehmichen Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 29.09.2008
Wohnort: -


Betreff: Re: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
Für mich ist es nicht so sehr die Frage, ob ich es darf, sondern ob ich es will oder kann.
(Dass ich es darf, leite ich aus der Öffentlichkeit meiner Rede her - jeder fleißige Mitschreiber könnte meine Rede aus dem Gottesdienst auf jede weltliche oder kirchliche Kanzel mitnehmen).
(Aussen vor lasse ich die diversen gedruckten und kaufbaren "Predigtvorlagen" diverser Verlage, die unter dem Vorwand, mir Arbeit zu ersparen vor allem mein Geld wollen).

Ich gebe zu, dass ich gern im Kanzelgruss und ähnlichen Seiten stöbere. Ich gebe auch zu, dass ich nicht oft aber ab und an, mal eine Textpassage kupfere. Dann nämlich, wenn sie so ist, dass ich sie einfach abdecken kann, aber mein Geist es nicht geschafft hat, selbst solche Gedanken hervor zu bringen. Ganze Predigten habe ich noch nicht kopiert, weil ich irgendwann ins Stocken gerate und entdecke - nee, das ist doch nicht deins, auch wenn es gut ist. Da muß es mir schon so schlecht gehen, dass ich am Sonntagmorgen immer noch eine leere Datei vor mir habe. Das gabs schon mal und ich hab dann meine eigene Predigt von vor 6 Jahren gekupfert und beim Vortragen ist mir schlecht geworden.
Und wenns gar nicht geht- dann lasse ich es und sags der Gemeinde. Warum nicht so ehrlich sein und sagen - das ist der Text, aber ich hab es einfach nicht geschafft, eine Predigt hinzukriegen. Einmal hatte ich die Predigt halb fertig und hab dann aufgehört. Ich bin von der Gemeinde nicht abgestraft worden, sie hat dann im Gespräch weiter mit gedacht. (Diese Variante habe ich - um Mißverständnisse zu vermeiden - bisher nur 2x praktiziert in 30 Jahren).
Ich nehme es niemandem übel, wenn er bei mir abschreibt, ich freue mich, wenn die in der Regel einmal vorgetragene Predigt auf diese Weise noch nicht ganz ins Archiv gerät. Und wenn jemand anderes sagt, das hast du nicht ganz schlecht gemacht, dass kann ich für mich verantworten, dann ist das ja auch nicht ganz schlecht.
 

23.02.2009, 17:55
Dorothea Zager Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 21.02.2009
Wohnort: -


Betreff: Re: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
"Im Reich Gottes gibt es kein Plagiat." Smiling

Wenn Christus uns auffordert, alles miteinander zu teilen - Essen und Trinken, Wohnung und Eigentum, Trauer und Freude - dann doch ganz sicher auch die Gabe, gut, fesselnd und treffend das Evangelium zu verkündigen (1. Petr. 4,10!)

Ich selbst verfasse mit Begeisterung Predigten für's Internet und für die "Pastoralblätter", und es ist mir eine Freude und eine Ehre, wenn jemand meine Predigt teilweise oder auch ganz gebrauchen kann und weiterverwendet.

Auch ich habe mich schon, wenn ich in großer Not war, von Internetpredigten inspirieren lassen und Passagen übernommen, die gut waren.

Ist es nicht besser, gute Gedanken, von anderen erfrischend formuliert von der Kanzel zu predigen, als eigene matte Gedanken, in der Not nur müde formuliert, weil man selbst nicht mehr in der Lage war, Besseres zu Papier zu bringen?

Darum wiederhole ich hier nochmal meinen Wahlspruch:
"Im Reich Gottes gibt es kein Plagiat." Smiling
 

14.03.2009, 12:21
PhyshBourne Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 30.11.2008
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Betreff: Re: Alles nur geklaut?! - Plagiate auf der Kanzel.
Es gab doch schon früher die Predigtmeditationen, von denen wir uns inspirieren liessen… so what's the fuzz all about?
Ich finde es in Ordnung, Predigten und Predigtideen quasi public domain, also als Freeware unter die GPL und danach in's Netz zu stellen.
Warum soll ich denn nicht als Jäger und Sammler von den tollen Ideen anderer profitieren und sie wie einen Steinbruch für meine Predigten nutzen oder paraphrasieren?
Und wenn ich dann meinerseits wiederum Ideen und Predigten in's Netz stelle, ist das ein gegenseitiges Geben und Nehmen, an dem wir gemeinsam wachsen können und wovon die Gemeinde auch 'was hat, weil eben immer 'mal wieder neue Gedanken kommen.
Meine Gemeinde hat mir sogar schon gesagt, wenn's 'mal mit der Zeit nicht hinkommt, soll ich eben einen alten Hirsch zu frischen Wassern führen, das wäre für sie okay.
Hab' ich bisher noch nicht gemacht, aber in einem solchen Fall könnte man doch auch eine Fremdpredigt nutzen.
Also, auf fröhlichen Ideenaustausch! Happy

 

05.06.2009, 17:50
webmaster Abwesend
Administrator
Dabei seit: 19.09.2008
Wohnort: Oberhausen


Betreff: Neues zum Thema aus dem Pfarrerverband
Prof. Dr. Hans-Martin Barth hat sich der Sache angenommen und - auch als Replik auf die Ausführungen Ahlers - einen Artikel auf pfarrerverband.de veröffentlicht: "Gegen den Verfall protestantischer Predigtkultur. Internet oder authentisches Zeugnis?" Zu finden unter:

http://pfarrerverband.medio.de/...w&id=2606

Dazu gibt es auch schon eine Antwort von Manfred Günther:

http://www.predigt-eichendorf.de/...html#Barth

Dazu nur eine Anmerkung: Bisher hat sich noch kein Autor, der sich mit diesem Thema beschäftigt, bei mir darüber informiert, wie das Angebot von kanzelgruss.de genutzt wird. Ich bin mir sicher, manches vorschnelle Urteil - und damit VORurteil, würde anders ausfallen, wenn man die Webmaster und PredigtautorInnen einmal zu Rate ziehen würde.
Andreas Reinhold
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 05.06.2009, 19:05 von webmaster.  

06.06.2009, 09:36
Johannes Taig Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 04.10.2008
Wohnort: -


Betreff: Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise (Phil. 1/18)
Anmerkungen eines „Internetpredigers“ (Anwort auf den Artikel von Hans-Martin Barth, geschickt an das Deutsche Pfarrerblatt)

Mit Interesse habe ich die Beiträge im Pfarrerblatt zum Thema „Internetpredigt“ verfolgt. Nach der Lektüre von Hans-Martin Barths Beitrags „Gegen den Verfall protestantischer Predigtkultur“(Pfarrerblatt Nr. 5/2009, S. 265), dem ich leider in (fast) allen Punkten Recht geben muss, sind diese Zeilen auch dem schlechten Gewissen geschuldet, an einem Elend unserer Kirche mitschuldig zu sein. Ich stelle meine Predigten seit Jahren ins Internet (kanzelgruss.de, dekanat-hof.de).

Warum kommt ein Pfarrer auf die Idee, seine Predigten ins Internet zu stellen? Als ich vor einigen Jahren mit der Erstellung eines Internetauftritts für unser Dekanat beauftragt wurde, fand ich es nicht ausreichend, christliche Gemeinde als Organisation zu präsentieren. Wenn sie schon im Internet zu finden ist, muss auch ihre Botschaft zu finden sein. Um dieser Botschaft willen ist die Kirche auch im Internet interessant. Die Predigtseite gehört zu den fünf am häufigsten besuchten Seiten im Dekanatsweb. Und die vielen Klicks, die kanzelgruss.de verzeichnet, sind nicht allein damit zu erklären, dass gestresste PfarrerInnen am Samstag Abend noch etwas Brauchbares für den Sonntag suchen.

Von Gemeindegliedern kommt die Rückmeldung, dass sie es schätzen, die im Gottesdienst gehörte Predigt noch einmal nachlesen und seit einiger Zeit auch nachhören zu können. Eine Predigt im Internet kann ohne viel Mühe weitergeschickt werden. Auch das geschieht. Und schließlich gibt es die, die am Sonntag Vormittag im Gottesdienst sind, weil sie die Predigt schon am Samstag Abend im Internet gelesen haben. Sie möchten sie im Gottesdienst hören und erleben. Keine Frage: Die Internet(hör)predigt ist keine Ersatz für die erlebte Predigt im Gottesdienst. Sie ist Zugabe: „Wenn nur Christus verkündigt wird auf jede Weise.“ Und natürlich ist es ein Ansporn für die eigene Arbeit, wenn Lektoren oder Prädikanten rückmelden, dass sie mit meiner Predigt glücklicher waren, als mit der Lesepredigt der Landeskirche.

Tatsächlich spielen Internetpredigten bei meiner eigenen Predigtvorbereitung überhaupt keine Rolle. Erst wenn die Predigt eingestellt ist, interessiert mich, was KollegInnen geschrieben haben.

Der Prozentsatz der PfarrerInnen, die Predigten ins Internet stellen ist m.E. sehr gering. Auch im eigenen Dekanat habe ich KollegInnen mit wenig Erfolg dazu ermuntert. Dies wirft nun in der Tat Fragen danach auf, warum das so ist:
  • Liegt eine ausformulierte Predigt, die nach homiletischem Handwerk die Vorstufe auch der frei gehaltenen Predigt sein sollte, gar nicht vor?
  • Liegt keine eigene Predigt vor?
  • Liegt keine Predigt zum OP-Text des Sonntags vor?

Inzwischen gibt es große Predigtverbünde, in denen die PfarrerInnen mit einer Predigt fünf Wochen lang auf Tournee sind. Man muss dann Glück haben, wenn die dargebotene Predigt überhaupt noch einen Sitz in der aktuellen Kirchenjahreszeit hat. Ein Dekan hat das einmal vor versammelter Mannschaft einen „ökonomischen Umgang mit Predigt- und Predigerressourcen“ genannt. Da muss sich auch der Kollege gelobt fühlen, der sich - mangels grundlegender PC-Kenntnisse - am Samstag Abend verschiedene Internetpredigten ausdruckt, die ausgeschnittenen Abschnitte phantasievoll zusammenklebt und dies auch noch stolz weitererzählt.

Dies zeigt m.E. in beklemmender Weise, wie das Gift ökonomischer Ideologie inzwischen in das Allerheiligste der evangelischen Kirche eingedrungen ist. Es muss die Frage erlaubt sein, welchen Stellenwert das „Wortamt Jesu Christi“ nicht nur in den Strategiepapieren der Kirchenleitungen, sondern in unserer gesamten Kirche überhaupt noch hat. Polemisch gefragt: Wäre es nicht im Sinne eines besseren „Themenmanagements“ („Kirche der Freiheit“, S. 85), wenn in Zukunft die PfarrerInnen die - teilweise unsäglich auf die kirchenpolitische Botschaft frisierten - Predigten der Kirchenoberen im Internet am Sonntag auf der Kanzel verlesen würden? „So kann das Plagiat auf der Kanzel zur Qualitätssicherung der EKD beitragen!?“ (Peter Schaal-Ahlers, Pfarrerblatt Nr. 7/2008)

Hans-Martin Barth ermuntert zurecht dazu, der eigenen Predigtarbeit wieder Priorität einzuräumen und sich für diese Arbeit wirklich Zeit zu nehmen. Aber ist der Eindruck wirklich falsch, dass die PfarrerInnen dies inzwischen im Widerstand gegen die Erwartungen ihrer Kirchenleitungen tun müssen? Diese verordnen ihren „Außendienstmitarbeiter“ neben der Arbeit „Spiritualität“ und geben damit offen zu, dass die Arbeit der Geistlichen heute offenbar damit nicht mehr viel zu tun hat.

Schon wahr: Mit der Übernahme einer fremden Predigt, die ja nicht nur im Internet angeboten wird, kann man sich im Pfarramt einen besonders fetten Batzen Freizeit ergattern. Es ist aber grundsätzlich etwas faul, wenn das notwendig wird. Deshalb wäre ich mit Begriffen wie Bedienungsmentalität und Faulheit in diesem Zusammenhang vorsichtig. Dahinter steckt oftmals eine echte Not. Abhilfe kann nur geschaffen werden, wenn die Ausübung des geistlichen Amtes wieder als geistliches Leben begriffen wird. Wo könnte man das besser exemplifizieren, als an der Predigtarbeit? Gerade der schwierige Text, der dann doch noch zu einer Predigt führt, lässt keinen leer zurück. Und wo lägen denn größere Wachtumspotentiale für den Theologen, als in der regelmäßigen Predigtarbeit? Dazu muss freilich die Sonntagspredigt als das Besondere der evangelischen Kirche wieder die Hochschätzung erfahren, die sie verdient. Es muss ihrer Abwertung auch durch eine ins Kraut geschossene „Eventkultur“ gewehrt werden, in der man nur noch durch den „besonderen“ (Zielgruppen)Gottesdienst punkten kann.

Pfarrer Johannes Taig

PS: Dass man als Prediger im Internet zitiert wird, ist erwünscht. Dass dies dann auch kenntlich gemacht wird ebenso. Ansonsten gilt Regel 10 meiner 24 goldenen Regeln.
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 06.06.2009, 12:06 von Johannes Taig.  

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