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Umfrage: Was halten Sie von der Satisfaktionslehre (Jesu Tod war notwenig, um Mensch und Gott zu versöhnen)?
Sie ist ein zentrales, nicht hinterfragbares Element des christlichen Glaubens.
 
2 66.7%
Sie ist ein unnötiges theologisches Relikt, das in der Verkündigung keine Rolle mehr spielen sollte.
 
0 0%
Sie gehört zwar zur theologischen Tradition, ist aber überholt und nicht mehr vermittelbar.
 
1 33.3%
Abgegebene Stimmen: 3

05.04.2009, 09:18
webmaster Abwesend
Administrator
Dabei seit: 19.09.2008
Wohnort: Oberhausen


Betreff: Das Kreuz mit dem Kreuz
In unserer Kirchen entbrennt derzeit eine typisch protestantische Diskussion über den Sühnetod Jesu Christi. Derzeit ist das kleine Städtchen Bonn, ehemalige Hauptstadt unseres Landes, davon am meisten betroffen. Hier macht sich dicke Luft breit. Auslöser der Debatte ist eine Radioandacht des evangelischen Pfarrers Burkhard Müller, in der er behauptet: "Gott hat nicht den Tod Jesu gewollt. Gewollt haben das seine Feinde. Jesus hätte vor ihnen fliehen können. Seinen Jünger zuliebe blieb er standhaft bei seiner Botschaft, und bewies, wie ernst er es meinte mit Gottes Liebe und Vergebung. So kann man sagen: er ist 'Für uns' gestorben. Aber er ist nicht von Gott als Sühnopfer für unsere Sünden dahingegeben. Das ist nur ein Bild unter vielen anderen Bildern für Jesu Tod, aber es hinkt besonders stark, es hinkt nicht nur auf einem Bein, sondern es hinkt auf beiden Beinen.Weg mit dem Bild! Kein Menschenopfer bitte! Unser Gott ist nicht so."

Hat die Satisfaktionslehre ausgedient? Ist sie biblisch zu begründen? Wie kann der Tod Jesu am Kreuz in heutiger Zeit gedeutet und den Menschen vermittelt werden?

"Keine Menschenopfer mehr" - Artikel und Podcast der Radioandacht von Burkhard Müller

"'...dann können wir demnächst Karfreitag abschaffen'" - Artikel auf GENERAL-ANZEIGER-BONN.DE
Andreas Reinhold
Dieser Beitrag wurde 2 mal editiert, das letzte Mal am 05.04.2009, 09:32 von webmaster.  

06.04.2009, 17:26
PhyshBourne Abwesend
Mitglied
Dabei seit: 30.11.2008
Wohnort: -


Betreff: Re: Das Kreuz mit dem Kreuz
Um mich selbst zu zitieren:
Zitat:
Beschäftige mich gerade 'mal wieder mit dem פסח.
Liegt ja in dieser Zeit auch nahe.
Dabei ist mir wieder der Gedanke des "Lamm G-ttes" wichtig geworden: der משיח ist der, der sich hingibt, dass der Tod vorübergeht und die zu יהוה Gehörigen befreit werden aus der Sklaverei ihrer Bindungen, um ganz dem יהוה zu gehören.
Man versteht m.E. Ostern nicht ohne Karfreitag, und man versteht Karfreitag nicht ohne das פסח und den סדר-Abend, wo der HERR selbst erklärt, worum es geht - nachdem der Verräter sich aus der Gemeinschaft entfernt hatte, nahm ישוע die מצה, die dem אליהו bestimmt ist, und offenbarte sich Seinen Jüngern, dass sie nicht länger warten bräuchten; und das verstanden sie auch gleich, was er damit meinte, denn nur der משיח durfte die מצה nehmen.
Und als er auch den Becher nahm, der ebenfalls für אליהו bestimmt war, war allen klar, was ישוע damit sagen wollte.
Der Kontext des פסח setzt beim Kreuzes- und Auferstehungsgeschehen dabei m.E. eher einen Schwerpunkt auf den Opfergedanken analog dem פסח-Lamm als auf eine Satisfaktionslehre.
Ich bin sicher, dass ein Weiterdenken in diese Richtung in der heutigen Zeit hilfreich sein kann.
Die Satisfaktionslehre hingegen verstehe ich als eine Möglichkeit, in einen bestimmten soziohistorischen Kontext hinein das Evangelium zu erklären - fraglich freilich heute ist, ob diese Lehre noch die gleiche Tragkraft hat wie ehedem, oder ob andere Bilder gefunden werden müssen, das Evangelium neu überzusetzen…
Sicherlich nicht grundlos hat sich schon in der Vergangenheit in der Theologie das Gewicht vom stellvertretenden Leiden des Χριστός zum mitleidenden G-tt hin verschoben.

Ansonsten - ich kann Jesus sowieso allein vor dem Hintergrund des Judentums verstehen!
Unsere Theologie ist griechischem Denken gemäß geprägt - und das ist auch okay so, weil wir geistesgeschichtlich sowieso so geprägt sind.
Man darf dabei freilich nicht vergessen, dass die Formulierung des christlichen Glaubens in die Gedankenwelt einer anderen Kultur leichtlich dazu führen kann, dass die Wurzeln vergessen werden.
Das ist faktisch in der Vergangenheit auch passiert - und die christliche Kirche in Gänze ist nicht nicht wenig schuldig geworden…
Ich bin der Ansicht, dass wir, um Jesus recht zu verstehen, uns viel mehr um ein besseres Verständnis des Glaubens unserer älteren - also jüdischen - Geschwister bemühen müssen.
Der Bund besteht noch immer!
Und war es nicht schon Martin Luther, der zu recht konstatierte: "Die Ebräer trinken aus der Bornquelle; die Griechen aber aus den Wässerlin, die aus der Quelle fließen; die Lateinischen aber aus der Pfützen."
just my two cents
 

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