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13.06.2009, 12:49
webmaster Abwesend
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Betreff: Ratsvorsitz der EKD: Wer wird Nachfolger/in von Wolfgang Huber
Ende Oktober wird der Ratsvorsitz der EKD neu besetzt. Die Frage lautet: Wer wird Nachfolger/in des jetzigen Amtsinhabers Wolfgang Huber? Einige Namen sind im Gespräch: Margot Käßmann (Bischöfin in Hannover), Johannes Friedrich (Bischof in Bayern), Frank O. July (Bischof in Württemberg) oder Nikolaus Schneider (Präses im Rheinland)? Oder doch jemand ganz anderes?

Hier darf spekuliert und argumentiert werden: Wer geht ins Rennen, wer wird gewählt und wie wird der/die neue Ratsvorsitzende das Amt ausfüllen?
Andreas Reinhold
Dieser Beitrag wurde 1 mal editiert, das letzte Mal am 07.07.2009, 12:48 von webmaster.  

31.10.2009, 15:37
webmaster Abwesend
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Betreff: Marack Obamann?


Margot Käßmann ist neue Ratsvorsitzende der EKD, das neue Gesicht der Evangelischen in Deutschland - und der oft so spöde daherkommende und nüchterne Protestantismus erlebt - für seine Verhältnisse - einen wahrhaftigen Gefühlsausbruch der Freude. Viele Hoffnungen knüpfen sich an die Bischöfin aus Hannover. Nicht nur, weil sie - wie Barack Obama als Präsident der USA - eine neue Ära in der evanglischen Kirche einzuläuten scheint (sie ist geschieden, spricht offen über ihre Lebenskrisen, kann verständlich predigen und - nicht zu vergessen: sie ist sogar Frau!), sondern auch, weil es - wie in den Staaten jenseits des Meeres - keine wirkliche Alternative gab und deshalb nur sie den Aufbruch in eine ungewisse kirchliche Zukunft signalisieren kann.

Die Frage ist, woran sie gemessen wird. Schon jetzt ist, was die Medien anbelangt, ihr Privatleben viel interessanter als ihre theologischen Positionen. Das mag einerseits die Kontaktaufnahme zu den Kirchenfernen erleichtern (und ist sicher gegenüber ihrem Vorgänger und 1000%-Professor Huber erfolgversprechender). Andererseits droht die Gefahr, dass sie gerade darum auf diese Seite ihrer Medaille begrenzt und der anderen Seite, die der Theologin und Kirchenpolitikerin Käßmann, weniger Beachtung geschenkt wird.

So ist mir ihre Haltung zur Ökumene sehr sympathisch: Sie ist gegenüber der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen offen, aber nicht anbiedernd und zieht auch mit aller Konsequenz Grenzen: So verließ sie 2002 den Rat der Ökumenischen Kirchen. Anlass waren die vom ÖRK-Zentralausschuss aus Rücksicht auf die orthodoxen Kirchen beschlossenen Änderungen in der Zusammenarbeit der 342 Mitgliedskirchen. So sollten künftig keine ökumenischen Gottesdienste mehr stattfinden, sondern nur noch interkonfessionelle Gebete gesprochen werden. Käßmann damals: "Ich kann nicht akzeptieren, dass ich als Bischöfin von orthodoxen Bischöfen als Problem und letztlich als Häretikerin angesehen werde." Das verdient Respekt und Anerkennung und ich wünsche ihr, dass sie diesen Weg auch als Ratsvorsitzende fortführt, gerade in Anbetracht der Tatsache, dass die katholische Kirche es nun mit einer Frau auf Augenhöhe zu tun bekommen soll.

Allerdings gibt es auch Manches, was mich stutzig macht. Zum Beispiel will sie den Reformkurs, der maßgeblich von Bischof Huber mit dem EKD-Papier "Kirche der Freiheit" geprägt wurde, fortsetzen. Da bleibt nur zu hoffen, dass sie ihre Erfahrungen als Gemeindepfarrerin davor schützen möge. Ohne Kurskorrekturen wäre eine Umsetzung dieses Papiers der Anfang von einem Abrupten Ende unserer Kirche als Gemeinde vor Ort. Und das wäre nun gar nicht wünschenswert - und überhaupt kein bisschen evangelisch!

Es bleibt abzuwarten, was Margot Käßmann in den kommenden Jahren bewegen kann. Dass es schwer ist, Hoffnungen konkret erfahrbar zu machen, davon kann ihr Barack Obama ein Lied singen. Ich wünsche ihr jedenfalls, dass sie in ihrem neuen Amt ihre Menschlichkeit nicht verliert, dass sie als Theologin ernst genommen wird und dass sie ihre Unbeschwertheit und Direktheit bewahrt. Und mir und meiner evangelischen Kirche wünsche ich, dass sie die Gemeinden vor Ort stärkt und ihnen nicht durch Kompetenz- und Strukturverlagerungen von unten nach oben das Wasser abgräbt.

In diesem Sinne: Herzlichen Glückwunsch, Frau Käßmann.
Andreas Reinhold
 

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