kanzelgruss.de - newsletter

Dienstag, 24. Januar 2012

Lieber geneigter Leser,

ein paar Tage verspätet landet der erste kanzelgruss.de-Newsletter in Ihrem elektronisches Postfach. Ich hoffe, Sie lesen ihn mit Interesse und Gewinn. Vielleicht haben Sie ja auch Zeit und Lust, den ein oder anderen Kommentar loszuwerden. Das können Sie im Forum tun, das thematisch parallel zu diesem Newsletter eingerichtet wurde. Sie finden es unter:

http://www.forum.kanzelgruss.de

Ich freue mich natürlich auch über Rückmeldungen auf anderem Wege.

Der nächste Newsletter erscheint am 20. Februar 2012. Falls Sie den Newsletter nicht mehr beziehen möchten, finden Sie am Ende der E-Mail einen entsprechenden Hinweis zum Abmelden.

Herzlichen Gruß,
Andreas Reinhold.

PS: Einfachheithalber wird in diesem Newsletter nicht die inklusive Sprache benutzt! Dies geschieht aus praktischen Gründen und soll keine Diskriminierung darstellen! Ich schließe mich dabei der Argumentation von Antje Schrupp an, die dazu schon 1998 feststellte: "Eine politisch korrekte Sprache kann das Bewußtsein nicht nur schärfen, sondern auch vernebeln. Es gibt daher keine endgültige Antwort auf die Frage, ob inklusive Sprache notwendig ist, oder nicht. Wichtig ist es, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Durch die Benutzung weiblicher Endungen sollte doch deutlich werden, daß es nicht einfach Menschen gibt, sondern daß sie immer nur in der Variante Frau oder in der Variante Mann vorkommen. Und daß es notwendig ist, sich beim Sprechen oder Schreiben klar zu machen, von wem die Rede ist und von wem nicht – und wo man selbst dabei steht. Diesem Ziel ist inklusive Sprache meistens förderlich. Aber eben nicht immer, und schon gar nicht ist sie eine Gewähr dafür, auch wirklich etwas zu erreichen." (http://www.antjeschrupp.de/inklusive-sprache) Ich hoffe auf Ihr Verständnis!

Themen:

Die Predigt als Plagiat: Chancen und Gefahren von Materialbörsen im Internet

Immer wieder taucht er auf: Der faule Pfarrer, der sich Samstag Nacht vor den Bildschirm hockt, eine dampfende Tasse Tee oder ein Glas Rotwein neben sich auf den Schreibtisch stellt, den Browser öffnet und sich mit der Maus durch die Predigtdatenbanken des WWW klickt. Das Angebot ist reichhaltig, schon nach kurzer Zeit wird er fündig und seine Computerkenntnisse reichen völlig aus, um per Copy-And-Paste-Verfahren die Predigt auf das eigene Papier zu bringen. Damit geht er am folgenden Sonntag auf die Kanzel und hält "seine" Predigt, ablesend, stockend, mit Begriffen und Wendungen, die seinem eigenen Stil wenig entsprechen. Das Ergebnis ist verheerend: Gottesdienstbesucher, die sich ob des schlechten Vortrags grämen und mit leerem Herzen nach Hause gehen und womöglich enttäuscht erkennen müssen, dass ihr Pfarrer eine Predigt geklaut hat - und darum verständlicherweise aus der Kirche austreten. Denn wenn etwas evangelisch ist, dann ist es die sonntägliche wortgewaltige Predigt, Markenzeichen des Protestantismus, Leuchtturm der Evangelischen Kirche in einer Welt, in der die Menschen zwischen den Konfessionen kaum noch unterscheiden wollen. Doch mit den Predigtbörsen im Internet verkommt die Jahrhunderte alte Predigtkultur und degeneriert zu einem eher weniger als mehr gelingenden Vortrag, der wenig von dem transportiert, was sich das gemeine Gemeindeglied erhofft hatte: geistliche Erbauung, spirituelle Bereicherung, Erhebung des Herzens ...

So schaut es aus in unseren Gottesdiensten - jedenfalls, wenn man den Ausführungen mancher Kritiker folgt, die sich diesem Thema in schöner Regelmäßigkeit widmen - und dabei methodisch meist recht abenteuerlich vorgehen. Denn repräsentative Erhebungen, die die Art und Weise der Nutzung von Predigtdatenbanken untersuchen, gibt es meines Wissens nicht. (Sollte jemand eine solche Studie kennen: her damit!) Ich als Webmaster einer Predigtbörse bin bisher auch noch nicht von jemandem kontaktiert und befragt worden, der einen entsprechenden Artikel verfasst hat. Worauf sich die Autoren berufen, sind entweder eigene Erfahrungen oder wenig aufschlussreiche Angaben der Börsenbetreiber auf den Websites. Systematische Nachforschungen gibt es wohl nicht. So gleichen Auslassungen von Professoren und berufenen Schriftstellern eher dem Fischen im Trüben als einer wirklich ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Onlinepredigt. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern auch schade, erfreuen sich Predigtdatenbanken doch schon seit geraumer Zeit einer wachsenden Beliebtheit und wären damit eine seriöse wissenschaftliche Untersuchung durchaus wert. kanzelgruss.de ist jedenfalls im Jahre 2011 246.112 mal besucht worden, es gab 6.032.138 Zugriffe auf 1.163.739 Seiten und in der Tat steigen die Zugriffszahlen im Verlauf der Woche von Sonntag auf Samstag stetig an. Der durchschnittliche kanzelgruss.de-Nutzer kommt dabei am liebsten zwischen 10 und 12 und zwischen 16 und 20 Uhr vorbei und sitzt zu 88% vor einer Windows-Kiste. Doch so schön die Zahlen auch sind, sie sagen rein gar nichts darüber aus, wie die Materialien - und dazu zählen zumindest bei kanzelgruss.de ja nicht nur Predigten - genutzt werden! Vereinzelte Rückmeldungen an den Webmaster und gelegentliche Hinweise in den veröffentlichten Predigten geben zwar einen Hinweis, halten aber einer wissenschaftlichen Überprüfbarkeit nicht stand.

Damit stellt sich jedoch die Frage, inwiefern die geäußerte Kritik überhaupt die Lebenswirklichkeit trifft? Sitzt in den Pfarrämtern tatsächlich eine ansehnliche Zahl von Predigtmuffeln, die sich weder die Zeit nehmen noch die Begabung besitzen, selbst eine Predigt abzufassen? Nötigen die vielfältigen Aufgaben eines Pfarrers den Amtsinhaber dazu, zum geistlichen Plagiator zu werden? Verführt das Internet gar dazu, die Verkündigung des Evangeliums nachlässig zu handhaben und damit den zentralen Auftrag der Kirche zu untergraben? Oder ist hier einfach eine neue, und dennoch auftragsgemäße Art der Predigtgenese entstanden, die dem Zeitmanagement eines Pfarrers Rechnung trägt, der für immer mehr Gemeindeglieder und Aufgabenbereiche zuständig ist? Übersetzung des hebräischen bzw. griechischen Urtextes, Exegese inkl. Text- und Formgeschichte, Analyse der Wirkungsgeschichte, systematisch-theologische Konklusionen - vom A zum O der Predigt ist es mit klassischen Methoden in der Tat ein weiter Weg, für den oft nicht nur die Zeit, sondern auch die Muße fehlt. An dieser Stelle greift die traditionelle Predigtvorbereitungsliteratur ins Geschehen ein, die dem Prediger ein gutes Stück Arbeit abnimmt und deren Materialien inzwischen auf beigefügten CD-Roms vorliegen und auch im Internet abgerufen werden können - was seltsamerweise nie so heftig kritisiert wurde und wird, obwohl auch hier das Plagiieren nicht mehr viel Mühe macht und durchaus stattfindet. Darüber hinaus merkwürdig finde ich, dass das Plagiat bei anderen liturgischen Stücken - wie etwa dem Gebet - im Allgemeinen zugestanden und scheinbar fraglos anerkannt wird. Mancher Liturg leiht sich jeden Sonntag Worte, die er an Gott richtet, ohne darauf aufmerksam zu machen, dass es nicht die eigenen sind. (Ich habe schon Pfarrer erlebt, die dies erst gar nicht zu vertuschen suchen und mit einem Buch in der Hand vor der Gemeinde stehen, um die Gebete daraus vorzulesen.) Die Frage ist, ob das die Regel und überhaupt verwerflich ist, schließlich ist ein Gottesdienst ohne das meist plagiierte Gebet - das Vaterunser - schlichtweg unvorstellbar!

Da wir Protestanten gerne "ad fontes" greifen und uns berechtigterweise an der Schrift orientieren, werfen wir einen knappen Blick auf die Literatur des Neuen Testaments. Hier hat die Quellenforschung schon seit einigen Jahrzehnten herausgefunden, dass beispielsweise Matthäus von Markus, Lukas von Matthäus und beide wiederum von jemand anderem abgeschrieben haben - ohne dies zu kennzeichnen. Ja mehr noch, in den so genannten Pseudepigraphien, wie etwa den Petrusbriefen, tut der Autor so, als wäre er ein berühmter Apostel, um seinen Worten mehr Gewicht zu verleihen - hier werden also Verfasser plagiiert! Man stelle sich das einmal vor, ein Pfarrer geht sonntags auf die Kanzel und predigt unter falschem Namen, etwa Friedrich Schleiermacher oder Karl Barth! Die Briefe des Paulus wurden aller Wahrscheinlichkeit nicht nur in den Gemeinden vorgelesen, an die sie adressiert waren, sondern fanden auch andernorts als Predigt Eingang in mancherlei urchristlichen Gottesdiensten. Auch das trug nicht zur Empörung, sondern vielmehr zur geistlichen Bereicherung bei.

All das - und noch viel mehr - sollte uns zu denken geben, bevor wir allzu abwertend über die Aneignung fremden geistigen und geistlichen Eigentums urteilen. Denn: Ist nicht am Ende jede Predigt ein Plagiat des Wortes Gottes, eine unvollkommene Kopie der frohen Botschaft, ein stümperhaftes Nachplappern dieses einzigen, großartigen Wortes Jesus Christus?

Ich glaube übrigens, dass die komplette Übernahme einer Onlinepredigt die Ausnahme darstellt. Viele Nutzer suchen homiletische Anregungen, eine zündende Idee, eine treffende Formulierung, einen überzeugenden Aufbau - um dann selbst kreativ zu werden, sich von der Muße küssen und dem Heiligen Geist inspirieren zu lassen und eigene Worte für das im Grunde genommen Unsagbare zu formulieren.

Zum Schluss noch eine kurze Anmerkung: Kritiker der Onlinepredigtdatenbanken gehen seltsamerweise scheinbar davon aus, dass die Besucher solcher Websites zu 99% Material suchende Prediger sind. Das wage ich aus eigener Erfahrung zu bezweifeln. Es gibt viele Menschen, die diese Möglichkeit nutzen, um von den Predigten anderer für ihren eigenen Glauben Nahrung zu finden. Schon allein um ihretwillen sind Predigten im Internet eine Bereicherung.

Artikel: "Internet oder authentisches Zeugnis?" von Prof. Dr. Hans-Martin Barth.
http://pfarrerverband.medio.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=2606

Artikel: "'alles nur geklaut' - plagiate auf der kanzel" von Peter Schaal-Ahlers.
http://www.vitamin-c-online.com/2008/07/%C2%BBalles-nur-geklaut%C2%AB-%E2%80%93-plagiate-auf-der-kanzel/

Artikel: "Alles nur geklaut: Wenn fremde Predigten als eigene ausgegeben werden" von Klaus Rösler.
http://www.portal-oncken.de/news/2008/07/23/4993.php

"Artikel: "AUA - meine Predigten werden geklaut!" von Alexander Seidel.
http://pastorshome.wordpress.com/2011/06/30/aua-meine-predigten-werden-geklaut/

Artikel: "Predigten klauen ist erlaubt" von Georg Rieger.
http://www.reformiert-info.de/2325-0-84-9.html

Artikel: "Alles nur geklaut?" von Alexander Deeg.
http://www.die-kirche.de/index.php?id=29&tx_ttnews%5Btt_news%5D=298&cHash=5f947065d1c27264806ed4d74276bb5e

Artikel: "Wer ohne Plagiat ist ..." von Michael Molthagen.
http://www.molthagen.de/blog/christentum/978-wer-ohne-plagiat-ist

Briefwechsel Manfred Günther und Christoph Fleischer.
http://der-schwache-glaube.de/notizen-beispiele-zitate/briefwechsel-mit-manfred-guenther.html

Konzept der Göttinger Predigten im Internet.
http://www.predigten.uni-goettingen.de/konzept.php

Kommentar: "Darf man Predigten abschreiben?" von Udo Vach.
http://www.erf.de/1-542-3608-Artikel.html

Artikel: "Themen-Klau per Klick. Internet-Predigten können verheerend wirken".
http://www.unserekirche.de/kirche/aktuell/internet-predigten-knnen-verheerend-wirken_7778.html

Artikel: "Pfarrer zu Copy and Paste" von Heiko.
http://www.evangelisch.de/themen/blogs/stilvoll-glauben/2011/02/23/pfarrer-zu-copy-and-paste

Keine Wahl? Freie Plätze im Presbyterium/Kirchenvorstand

Presbyterien bzw. Kirchenvorstände bilden das Grundgerüst jeder Kirchengemeinde. Sie sind das Rückrat, das Leitungsgremium, das über Wohl und Wehe einer Gemeinde ein gewichtiges Wörtchen mitzureden hat. Üblicherweise werden dessen Mitglieder von den Gemeindegliedern gewählt. Das ist nicht nur ordentlich demokratisch, sondern entspricht auch guter neutestamentlicher Tradition (Apg 1,15ff). Doch gab es mit Josef und Matthias für die Neubesetzung der frei gewordenen Apostelstelle noch doppelt so viele Kandidaten wie Plätze, tun sich heutzutage Pfarrer schwer, Anwärter für dieses Ehrenamt zu finden. Bei der anstehenden Presbyterwahl in der Evangelischen Kirche im Rheinland am 5. Februar wird in vielen Orten überhaupt nicht gewählt - weil es entweder gerade ausreichend viele Bewerber gibt oder aber zu wenige! Hier und dort hat es dieses Phänomen schon immer gegeben, was, flankiert von Maßnahmen wie die Verkürzung der Legislaturperiode, durch Kooptation meist in den Griff zu kriegen war. Doch in den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass dieses Problem zu einer ernsthaften Krise der Kirchengemeinden führen könnte. Denn welchen Sinn machen Leitungsgremien noch, wenn sie personell nicht bestückt werden können und womöglich die Qualität der Arbeit darunter leidet?

Nicht nur auf Gemeindeebene, auch in übergeordneten Etagen macht man sich so seine Gedanken über die Zukunftsfähigkeit einer basisorientiert geführten Kirche. Auch hier sei die Evangelische Kirche im Rheinland als Referenz angeführt. Denn dort hat man auf der letzten Synode eine Verwaltungsstruktur beschlossen, die nicht allen Gemeinden schmeckt. Manche Protestanten füchten sogar um das evangelische Profil ihrer Kirche und bezweifeln, dass die hierarchische Umorganisierung bei der Verwaltung stehen bleibt. So könnte man zum Beispiel auf die Idee kommen, Leitungsaufgaben, die derzeit noch in der Verwantwortung des Presbyteriums stehen (wie z.B. das ius liturgicum), aus Mangel an Personal weiter nach oben zu verlagern.

Die einzige Möglichkeit, einer solchen Enwticklung zu begegnen, ist, genügend Menschen mit Lust auf ehrenamtlichem Engagement zu finden. Doch wie ist dem Prebyterschwund zu begegnen? Welche Möglichkeiten gibt es, Menschen für eine Arbeit zu gewinnen, die zwar sehr verwantwortungsvoll, aber oft auch anstrengend und manchmal sogar frustrierend ist? Mal eben die Diäten erhöhen kann man ja nicht. Vielleicht aber für die Zeit des Engagements die Kirchensteuer aussetzen bzw. zurückzahlen? Die Wahlperioden noch weiter verkürzen? Oder die Gremien zahlenmäßig verkleinern, in dem man weiter fusioniert?

Natürlich sind die Probleme von Gemeinde zu Gemeinde und von Landeskirche zu Landeskirche unterschiedlich. Und doch möchte ich beispielhaft einen Faktor nennen, der die Arbeit im kirchlichen Leitungsorgan nicht gerade attraktiv macht. Da ist zum einen die Erfahrung, Entscheidungen treffen zu müssen über Sachverhalte, die die wenigsten kaum durchschauen. Die meiste Zeit der Sitzungen wird damit verbracht, Verwaltungs- und Finanzwesen durchzukauen. Das mag sehr wichtig sein, doch wer ist schon in der Lage, den Schlaglöchern der Kirchenordnung und des Buchhaltungssystems auszuweichen bzw. sie zu stopfen? So wird viel Zeit in eine Tätigkeit investiert, die nicht wirklich als befriedigend empfunden wird. (Ich selbst habe erlebt, dass über 150 € für eine Fortbildungsmaßnahme stundenlang diskutiert und mal eben 15.000 € für eine Baumaßnahme durchgewunken wurde - und zwar deshalb, weil man sich in der Materie nicht gut auskannte.) Hier sollte dringend Abhilfe geschaffen werden. Die grobe Richtung vorzugeben muss den Kirchenvorständlern vorbehalten bleiben. Doch sollten die Tiefen des Haushaltsplans von jenen durchforstet werden, die dafür begabt und daran interessiert sind. Es gibt zwar schon Ausschüsse, in die Arbeit delegiert wird. Jedoch verfügen diese oft nur über Empfehlungs- und nicht über Entscheidungskompetenz, so dass am Ende doch wieder das ganze Leitungsgremium damit beschäftigt wird. (Gleiches gilt übrigens auch für andere Ausschüsse.)

Es gäbe noch weitere Möglichkeiten, Entscheidungsprozesse schlanker zu gestalten und damit das Presbyteramt zumindest zeitlich zu entlasten. In vielen Kirchenordnungen ist zum Beispiel vorgeschrieben, dass Entscheidungen möglichst einmütig zu treffen seien. Eine Vorgabe, die wenig Raum für andere Meinungen lässt, zu denen man auch stehen kann. Ich bin mir sicher, auch Sie haben Ideen oder auch schon Erfahrungen damit, wie die Arbeit im kirchlichen Leitungsorgan auf gemeindlicher Ebene attraktiver werden kann. Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir. In der kommenden Newsletter-Ausgabe werden diese dann - auf Wunsch auch anonymisiert - veröffentlicht. Ich bin gespannt.

Artikel: "Presbyterwahlen: Zu wenige Kandidaten in Hamm"
http://www.wa.de/nachrichten/hamm/stadt-hamm/presbyterwahlen-wenige-kandidaten-hamm-1536096.html

Artikel: "Unverblümt zu seinem Glauben stehen" von Ralf Tiemann.
http://www.derwesten.de/staedte/iserlohn/unverbluemt-zu-seinem-glauben-stehen-id6201309.html

Artikel: "Das Markenzeichen der Protestanten" von Andreas Tiemann.
http://www.derwesten.de/region/das-markenzeichen-der-protestanten-id6200720.html

Artikel: "Presbyterwahlen 2012: Viele Wahllokale bleiben geschlossen".
http://www.westfalen-heute.de/mitteilung.php?26862

Artikel: "Viele Wahllokale bleiben bei Presbyterwahlen in NRW geschlossen".
http://www.westfalen-blatt.de/nachricht/2011-12-23-viele-wahllokale-bleiben-bei-presbyterwahlen-in-nrw-geschlossen/?tx_ttnews%5BbackPid%5D=613

Artikel: "Schlankere Struktur der Verwaltung beschlossen".
http://www.ekir.de/www/ueber-uns/verwaltung-15048.php

Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier: Ökumene um jeden Preis?

Manche Traditionen und Bräuche unserer katholischen Schwesterkirche sind für manchen Protestanten schon gewöhnungsbedürftig. Darunter zählt u.a. auch die Reliquienverehrung. Reliquien (das Wort stammt vom Lateinischen "relinquere" und bedeutet "zurücklassen") können Gegenstände (z.B. Teile des Kreuzes, an dem Jesus starb) und Überreste von Heiligen (Knochen, Kleidung etc.) sein. Ihnen kommt eine besondere Bedeutung zu, weil sie sich "am Ende der Welt mit den Seelen im Himmel vereinigen, also eine Aufnahme in den Himmel erleben werden." (kath.de) Sie sind damit gegenständliche Zeichen der Auferstehung am jüngsten Tag.

Nun findet vom 13. April bis zum 13. Mai die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier statt, die Martin Luther in seiner unübertroffen offenen Art "Bescheyßerei zu Trier" nannte. Bei dem Rock soll es sich um die Tunika Jesu Christi handeln, bis zu 500.000 Besucher werden sich das Gewand anschauen. Was die Wallfahrer damit verbinden, ist ihr Geheimnis, wahrscheinlich sind ihre Beweggründe so mannigfaltig wie ihre Zahl. Unbestreitbar ist, dass viele Katholiken darin immer noch eine Möglichkeit sehen, durch Annäherung oder Berührung der Reliquie Anteil an der geistlichen Kraft des Heiligen zu erhalten. (Ich selbst habe bei der Heilig-Blut-Prozession in Brügge/Belgien erlebt, dass Menschen Kleidungsstücke von Kranken oder Verstorbenen an die Fiole gehalten haben, in der sich angeblich die drei Blutstropfen Jesu befinden, und sich damit Genesung bzw. Heil für das kommende Leben versprachen.) Das geht in manchen Regionen sogar dem Vatikan zu weit, so dass sich 2010 Monsignore Principe, ein Berater von Kardinal Angelo Sodano dazu veranlasst sah, vor Aberglauben zu warnen! (In diesem Zusammenhang interessant ist es auch, dass sich katholische Theologen wie Prof. Dr. Hubertus Lutterbach von der Universität Essen damit beschäftigen, Reliquien und die Plastinate eines Herrn von Hagens zu vergleichen.)

Alles in allem ist sowohl die Praxis als auch die Theorie der Reliquienverehrung etwas, das sich sehr schwer mit evangelichem Glauben in Einklang bringen lässt, weshalb mich der Aufruf des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche Deutschlands, Nikolaus Schneider, auch Protestanten mögen an der Heilig-Rock-Wallfahrt teilnehmen, um ein ökumenisches Zeichen zu setzen, doch verstört. Schon beim Besuch Papst Benedikts XVI. sutzte ich, als er Herrn Ratzinger als "Eure Heiligkeit" titulierte. Bei allem Verständnis für den Wunsch nach ökumenischer Zusammenarbeit, geht mir diese Art des Entgegenkommens von offizieller evangelischer Seite doch zu weit! Nicht nur, weil es theologisch nicht vertretebar ist, sondern bei Katholiken wie Protestanten zu dem Missverständnis führen kann, dass sich evangelische und katholische Kirche im Grunde ja kaum voneinander unterscheiden. Evangelisches Profil zu zeigen, eine immer wieder geforderte Prämisse, um der drohenden Bedeutungslosigkeit unserer Kirche in unserer Gesellschaft zu begegnen, bedeutet auch, Grenzen und Unterschiede deutlich zu machen. Der Papst hat das bei seinem Besuch getan - und damit viel zu hoch gesteckten Erwartungen, die zuvor von protestantischer Seite aus formuliert wurden, nicht entsprochen - was nur wenige überrascht haben dürfte.

Ein offizieller Aufruf zur Teilnahme an der Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier halte ich darum für ein falsches Signal und in mancherlei Hinsicht fragwürdig. Ich kann aus der Reliquienverehrung, die diese Veranstaltung nach wie vor darstellt, für meinen evangelischen Glauben jedenfalls keinen Nutzen ziehen.

Ansprache des Rastvorsitzenden der EKD, Nikolaus Schneider, anlässlich des Papstbesuches am 23.09.2011.
http://www.papst-in-deutschland.de/fileadmin/redaktion/microsites/Papstbesuch/Tagebuch/Reden_Sonstige/110920_OT_RV_Schneider_Ansprache_Augustinerkloster_Papstbesuch.pdf

Artikel: "Reliquien, Plastinate und ewiges Leben" von Prof. Dr. theol. Hubertus Lutterbach.
http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/artikel_angebote_detail?k_beitrag=2637375

Artikel: "Vatikan-Theologe warnt vor 'abergläubischer' Reliquienverehrung".
http://www.kath.net/detail.php?id=25644

Artikel: "Reliquienverehrung":
http://www.kath.de/lexika/typisch_katholisch/reliquienverehrung.html

Artikel: "Der 'Heilig-Rock' ruft. EKD-Chef ermutigt zur Wallfahrt-Teilnahme.
http://www.sonntagsblatt-bayern.de/news/aktuell/2012_04_07_01.htm

Der Materialtipp: "Spinner" von Revolverheld

Musik ist immer gut, wenn es darum geht, Jugendliche für ein bestimmtes Thema zu interessieren - vor allem dann, wenn sie so cool daherkommt wie das Stück "Spinner" von Revolverheld. Der etwas martialische Name der Band sollte nicht abschrecken. Zumindest bei Spinner kommen sie ganz sanft und friedlich daher. Der Song beschreibt anschaulich, wie wichtig Träumer für unsere Gesellschaft sind - und wie viel wichtiger es ist, den ein oder anderen Traum einfach wahr werden zu lassen. Gerade für den Konfi-Unterricht oder die Jugendarbeit eignet sich der Video-Clip. Es ließe sich auch ein Jugend- oder Konfirmationsgottesdienst zu diesem Thema gestalten. Schließlich wurden bekennende Christen schon immer für ein wenig seltsam gehalten, weil sie ihren Traum vom Reich Gottes auf Erden nicht aufgeben wollen und trotz vieler Widerstände leben. Der Song ist gar nicht so schwer, man kann ihn also auch selbst singen oder gar als Gemeindelied nutzen. (Wer die Gitarrengriffe braucht, dem schicke ich sie gerne zu.)

Musik-Video auf youtube.de.
http://www.youtube.com/watch?v=kR4MI_8WIrw

Zu guter Letzt

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